Datum: 20.07.2012 | Kristof Janßen, Tobias Kargoll
Überraschend gibt der Bauer Verlag bekannt, dass die Bravo Hiphop ab sofort eingestellt wird. Die große Zeit des deutschen Hiphops sei vorbei...
Die Bravo HipHop Special gab heute bekannt, dass das Magazin ab sofort eingestellt wird. Somit erscheint keine weitere Ausgabe des Magazins, das seit 2005 erschien.
Die Bravo HipHop Special war ein Ableger des Jugendmagazins Bravo und erschien im Bauer Verlag. Das Magazin setzte auf im Mainstream bekannte Namen und Boulevardthemen, mit denen es ein junges Publikum erreichte. Mit diesem Konzept wurde die Bravo HipHop Special zum auflagestärksten deutschen Hiphop-Printmagazin.
Eine Sprecherin des Bauer Verlags begründete die Entstehung der Bravo HipHop Special gegenüber dwdl.de mit dem "besonderen Hype", den das "HipHop-Phänomen" in Deutschland gehabt habe. Trends würden aber "kommen und gehen" und deutscher Rap sei inzwischen "kein Thema mehr für eine Sonderpublikation":
"Die große Zeit des deutschen HipHops mit großen, in der jungen Zielgruppe stark angesagten Akteuren wie Bushido, Sido usw. ist nach fünf Jahren vorbei."
Die erfolgreichen Rap-Veröffentlichungen der vergangenen zwei Jahre und die neue stilistische Vielfalt, mit einer Bandbreite von Azzlackz bis Casper, scheint der Auflage weniger geholfen zu haben, als die durch alle Schichten bekannten ehemaligen Aggro-Artists. Die "Fan-Bases neuer Künstler wie Farid Bang, Haftbefehl oder Fler" seien "extrem zersplittert oder sogar untereinander verfeindet", so die Bauer-Sprecherin.
Die Berichterstattung über Streitigkeiten zwischen Rappern hatte in der Bravo HipHop Special allerdings immer eine große Rolle gespielt. Neben einer hohen Auflage, hatte diese Berichterstattung dem Magazin aber auch Kritik und Auseinandersetzungen mit den beteiligten Rappern eingebracht. Sido hatte 2011 zum Boykott des Magazins aufgerufen, DJ Desue bezeichnete die Bravo HipHop damals als "Streit provozierende[n] Haufen" und Bushido twitterte "Bravo Hip Hop und Clixoom... Fickt euch..."
Auch im US-Rap scheint die neue Generation für die Bravo nicht rentabel gewesen zu sein. "US-Rapper wie Eminem und 50 Cent, die in der breiten Fangemeinde akzeptiert sind, seien derzeit kaum aktiv", berichtet dwdl.de aus dem Gespräch mit der Bauer-Sprecherin. Die neuen Stars des US-Raps haben bislang in Deutschland weniger Fuß gefasst.
Die Berichterstattung über Rap solle nun "wie Rock und Casting-Themen ins Haupt-Heft zurückkehren", so dwdl.de mit Bezug auf das Gespräch mit dem Bauer Verlag.
Die Redaktion des nun eingestellten Magazins schrieb auf ihrer Facebook-Seite:
Zuletzt hatte die Review des Cro-Albums Raop für Furore gesorgt, da das Heft vom Label vorab nicht bemustert worden war.